Logarithmische Skala, die Werte spreizen über drei Größenordnungen. PCB ist toxischer als Blei und braucht entsprechend strengere Schwellen. Vorsorgewerte (vorbeugend) liegen typisch um Faktor 20 bis 50 niedriger als die hier gezeigten Maßnahmewerte.
Cadmium (Cd)
Cadmium wandert von allen sieben Schwermetallen am stärksten aus dem Boden in die Pflanze. Hauptquellen sind phosphathaltige Mineraldünger (Cadmium-Verunreinigung im Rohphosphat aus Marokko und Russland), Klärschlamm-Ausbringung auf Äckern, Reifenabrieb in straßennahen Böden und früher die Galvanik-Industrie.
Die BBodSchV-Schwellen hängen vom Bodentyp ab: der Vorsorgewert liegt bei 0,4 mg/kg im Sandboden, 1,0 mg/kg im Lehmboden, 1,5 mg/kg im Tonboden. Der Maßnahmewert für direkten Kontakt liegt bei 10 mg/kg auf Kinderspielflächen, 20 mg/kg in Wohngebieten. Cadmium reichert sich besonders in Blatt- und Wurzelgemüse an. Auf belasteten Böden hilft ein Hochbeet mit unbelasteter Erde als wirksame Schutzmaßnahme.
Blei (Pb)
Blei ist das langlebigste der sieben Schwermetalle: einmal im Oberboden eingelagert, bleibt es dort über Jahrhunderte. Hauptquellen sind verbleites Benzin (in DE bis 1996 verkauft, heute noch in straßennahen Böden bis 5 m Abstand messbar), historische Schmieden und Schießstände, alte Schrotthalden und Bleirohre.
Der BBodSchV-Maßnahmewert für direkten Kontakt liegt bei 200 mg/kg auf Kinderspielflächen und 400 mg/kg in Wohngebieten. Der Vorsorgewert beträgt 70 mg/kg im Sandboden. Pflanzen nehmen Blei kaum über die Wurzel auf, das Hauptrisiko ist Staub-Eintrag auf Blattoberflächen. Blattgemüse aus dem Garten sollte deshalb vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
Arsen (As)
Arsen ist in Deutschland überwiegend geogen, also natürlichen Ursprungs. Erhöhte Werte kommen typisch in Granit-Verwitterungsböden vor: Schwarzwald, Erzgebirge, Bayerischer Wald. Vom Menschen verursacht sind dagegen die historische Holzimprägnierung mit Chromated Copper Arsenate (CCA, in DE seit 2003 verboten), Schmelzhütten und Pflanzenschutzmittel mit Bleiarsenat (in DE bis 1942 zugelassen).
Der BBodSchV-Vorsorgewert liegt bei 10 mg/kg im Sandboden und 20 mg/kg in Lehm- und Tonboden, der Maßnahmewert für direkten Kontakt bei 25 mg/kg auf Kinderspielflächen. Arsen ist trinkwasserrelevant: in geogen belasteten Regionen können Hausbrunnen den WHO-Grenzwert von 10 µg/L überschreiten. Wer einen Hausbrunnen zur Eigenversorgung nutzt, sollte das Wasser analysieren lassen.
Quecksilber (Hg)
Quecksilber-Belastungen sind in Deutschland heute selten geworden. Seit dem Minamata-Übereinkommen 2013 ist das Element in Industrieanwendungen weitgehend ersetzt. Historische Hotspots sind Standorte der Chloralkali-Elektrolyse (Bitterfeld, Wolfen), historischer Goldbergbau (Spessart, Niederlausitz) und Zellstofffabriken.
Der BBodSchV-Maßnahmewert für direkten Kontakt liegt bei 10 mg/kg auf Kinderspielflächen, 20 mg/kg in Wohngebieten und 50 mg/kg in Park- und Freizeitanlagen. Quecksilber ist vor allem über die Atemluft kritisch (als Hg-Dampf), weniger über die Pflanzen-Aufnahme. Auf belasteten Böden gilt: nicht offen umgraben.
Kupfer (Cu)
Kupfer ist als Spurenelement für Pflanzen lebenswichtig. In landwirtschaftlich genutzten Böden reichert es sich aber oft an, durch Weinbau-Spritzmittel (Bordeaux-Brühe), Schweinemast-Düngung und historische Pestizide.
Der BBodSchV-Vorsorgewert liegt bei 20 mg/kg im Sandboden und 60 mg/kg im Lehmboden. Weinbau-Lagen erreichen häufig 100 bis 300 mg/kg. Für Menschen ist die akute Toxizität niedrig, für Bodenmikroorganismen wirkt Kupfer aber schon ab 50 mg/kg hemmend, was die natürliche Abbauleistung des Bodens schwächt. Im ökologischen Weinbau ist Kupfer-Eintrag seit 2019 EU-weit auf 28 kg/ha über sieben Jahre begrenzt.
Nickel (Ni)
Nickel ist überwiegend geogen, also natürlichen Ursprungs. Es kommt vor allem in sogenannten ultramafischen Gesteinen vor, eisen-magnesium-reichen Mantelgesteinen wie Serpentinit und Peridotit. In Deutschland stehen sie im Harz, Bayerischen Wald und in Sachsen an. Vom Menschen verursacht sind Edelstahl-Recycling, Nickel-Cadmium-Batterien (vor 2009) und Galvanik-Standorte.
Der BBodSchV-Vorsorgewert liegt bei 15 mg/kg im Sandboden, 50 mg/kg im Lehmboden, 70 mg/kg im Tonboden. Nickel-Allergie ist eine der häufigsten Kontaktallergien überhaupt, der Bodenkontakt ist aber selten der Auslöser. Relevant ist eher die Pflanzen-Aufnahme: in Serpentinit-Böden kann sie so stark sein, dass Gemüseanbau dort nicht empfohlen wird.
Zink (Zn)
Zink ist das häufigste der sieben Schwermetalle. Es findet sich praktisch überall, über Reifenabrieb, verzinkte Dachrinnen, Klärschlamm und früher Hüttenwerks-Emissionen.
Der BBodSchV-Vorsorgewert liegt bei 60 mg/kg im Sandboden, 150 mg/kg im Lehmboden, 200 mg/kg im Tonboden. Für Menschen ist Zink als Spurenelement essentiell, die akute Toxizität ist gering. Über 300 mg/kg hemmt es allerdings das Bodenleben. Weil Zink häufig zusammen mit anderen Schwermetallen auftritt, dient es als Indikatorelement für allgemeine industrielle oder verkehrsbedingte Belastung.
Sanierungs-Optionen
Drei Hauptverfahren werden eingesetzt:
- Bodenaustausch: schnellste, aber kostenintensivste Methode. Belasteter Oberboden wird abgegraben, fachgerecht entsorgt und durch unbelasteten Boden ersetzt. Kosten: 50 bis 150 €/m³, im Hausgarten typisch 10.000 bis 30.000 €.
- Phytoremediation: nutzt Pflanzen wie Sonnenblumen, Senf oder Thlaspi, die Schwermetalle gezielt anreichern. Niedrige Kosten (5.000 bis 20.000 €), aber lange Dauer (5 bis 15 Jahre).
- Immobilisierung: über Eisenoxid- oder Tonmineral-Zugaben werden die Metalle so gebunden, dass sie nicht mehr pflanzenverfügbar sind. Keine Entfernung, aber Risikominderung; Kosten 10.000 bis 40.000 €.
Die Wahl der Methode ist immer mit der unteren Bodenschutzbehörde abzustimmen.
Quellen
- BBodSchV · Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmewerte (Anlage 2) · Bundesministerium der Justiz
- LUCAS Topsoil Survey · Schwermetall-Probenwerte EU · European Soil Data Centre, JRC
- SoilGrids · 250-m-Bodenkartierung weltweit · ISRIC World Soil Information
- Themenseite Boden und Fläche · Umweltbundesamt
Verlinkung geprüft am 09.05.2026.
Verwandte Begriffe
BBodSchV (Schwellwerte) · Altlast-Definition · EU-Bodenrichtlinie · Pflanzen-Aufnahme · Düngeverordnung