Bodenbericht. Adresse prüfen
So funktioniert's Leistungen Wissen Für wen? Muster Blog FAQ
Glossar · Naturgefahren · Versicherung

Hochwasser-Risikoklassen.

Drei statistische Szenarien aus der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie: HQ häufig (alle 10 bis 25 Jahre), HQ 100 (Jahrhundert-Hochwasser) und HQ extrem (200+ Jahre). In Deutschland pflegt die Bundesanstalt für Gewässerkunde die Karten. Sie sind die Grundlage für drei Dinge: Bauamts-Auflagen, Versicherungsprämien und seit 2025 die politische Debatte um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden.

Rechtsgrundlage: EU-HWRM 2007/60/EG DE-Pflege: BfG (Bundesanstalt für Gewässerkunde) Update-Zyklus: 6 Jahre

1 · Die drei Szenarien

Die EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie 2007/60/EG verlangt von allen Mitgliedstaaten, drei Hochwasser-Szenarien zu berechnen und zu veröffentlichen:

2 · EU-HWRM-Richtlinie 2007/60/EG

Die Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie wurde 2007 als Lehre aus den großen Donau- und Elbe-Hochwassern 2002 verabschiedet. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle sechs Jahre drei Dokumente zu erstellen:

In Deutschland setzen das Bundes-Wasserhaushaltsgesetz §§73 bis 75 und die Landeswassergesetze die Richtlinie um.

3 · Bauamts-Auflagen

Wer in einem HQ-100-Gebiet bauen will, muss mit Auflagen rechnen, wie streng sie sind, hängt vom Bundesland ab. Typisch sind:

Bei Bestandsgebäuden gelten diese Auflagen erst bei wesentlichen Umbauten oder Nutzungs-Änderungen. In der Praxis verlangen Versicherer sie aber zunehmend als Voraussetzung für Elementarschutz.

4 · Versicherer-Bezug

Deutsche Wohngebäudeversicherer arbeiten mit dem ZÜRS-Geo-System der Versicherungswirtschaft. ZÜRS steht für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen". Es klassifiziert jede Adresse in vier Stufen. Grundlage sind die HWRM-Karten, ergänzt um Starkregen-Szenarien:

Verteilung deutscher Wohngebäude über die ZÜRS-Klassen
ZÜRS 1 ~92 % ZÜRS 2 ~5 % ZÜRS 3 ~2,6 % ZÜRS 4 ↗ ~0,4 %

Die meisten Adressen liegen im grünen Bereich. Die kritischen Klassen 3 und 4 betreffen rund 3 % der deutschen Wohngebäude. Bei einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden würden rund 600.000 Häuser deutlich teurer oder schwerer versicherbar.

5 · Politische Lage 2025/2026

Eine bundesweite Pflichtversicherung für Elementarschäden ist seit dem Ahrtal-Hochwasser 2021 politisch in Diskussion. Stand Mai 2026: der Koalitionsvertrag 2025 nennt sie als Ziel, der Bundesrat hat im selben Jahr eine Initiative dazu gestartet, die Linksfraktion brachte am 16. April 2026 einen weiteren Antrag ein. Beschlossen ist sie noch nicht.

Das am häufigsten diskutierte Modell ist ein Opt-out: alle Wohngebäudeversicherungen werden automatisch um Elementarschutz erweitert, der Versicherte muss aktiv widersprechen. Damit würde die HWRM-Klassifikation für rund 20 Millionen Wohnimmobilien schlagartig versicherungsrelevant.

6 · Wie wir prüfen

Grundlage sind die amtlichen Hochwasserkarten der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), die alle drei Szenarien für ganz Deutschland in einheitlicher Auflösung bereitstellen. Für eine Adresse prüfen wir HQ häufig, HQ 100 und HQ extrem und ordnen sie farblich ein. Die Karten haben den Stand des letzten Sechs-Jahres-Zyklus, der nächste Update-Zyklus läuft 2025/26.

Quellen

Verlinkung geprüft am 09.05.2026.

Verwandte Begriffe

Erosion und Starkregen · Hochwasserrisiko Köln · Hochwasser NRW · Hintergrund · Käufer-Konsequenz · Bauträger-Auflagen

Häufige Fragen

Was Käufer und Eigentümer am häufigsten fragen.

Wer prüft Hochwasser-Risiken beim Hauskauf?
Niemand automatisch. Banken prüfen für die Beleihungsentscheidung den Verkehrswert, nicht das Hochwasser-Risiko. Versicherer fragen das Risiko erst beim Antrag auf Wohngebäude- oder Elementarschaden-Versicherung ab. Notar und Makler haben keine Prüfpflicht. Wer im Hauskauf-Prozess die Hochwasserlage überhaupt prüft, muss das selbst tun, über die HWRM-Karten der Länder, einen Bodenbericht oder den Versicherer-Antrag, in dem die ZÜRS-Geo-Klassifikation abgefragt wird.
Beeinflusst HQ extrem die Versicherbarkeit?
Ja, deutlich. Versicherer arbeiten mit dem ZÜRS-Geo-System (4-stufig), das auf den HWRM-Karten basiert. ZÜRS 4 entspricht häufiger als HQ 10, ZÜRS 3 entspricht HQ 10 bis HQ 100. Lagen in ZÜRS 3 oder 4 erhalten Elementarschadenschutz oft nur mit hohen Selbstbehalten oder werden ganz abgelehnt. HQ extrem allein zwingt nicht zur Ablehnung, ist aber ein Risiko-Aufschlag-Faktor in der Prämienkalkulation. Bei einem Schaden ohne Elementarschutz haftet der Eigentümer voll selbst.
Was bedeutet die geplante Pflichtversicherung?
Eine bundesweite Pflichtversicherung für Elementarschäden ist seit dem Ahrtal-Hochwasser 2021 politisch in Diskussion. Im Koalitionsvertrag 2025 vereinbart, im Bundesrat im selben Jahr beantragt, im April 2026 erneut von der Linksfraktion angeschoben, bisher aber nicht verabschiedet. Das wahrscheinlichste Modell ist ein Opt-out-System: alle Wohngebäude-Versicherungen werden automatisch um Elementarschutz erweitert, der Eigentümer muss aktiv widersprechen.
Vor dem Versicherungs-Antrag

In welcher Zone liegt Ihr Haus?

Alle drei BfG-Szenarien (HQ häufig, HQ 100, HQ extrem) plus DWD-Starkregen-Schwellen für die Adresse, bevor Versicherer und Bauamt nachfragen. Pilotphase kostenlos, PDF in wenigen Minuten.

Bericht für Adresse anfordern →