1 · Die fünf Faktoren im Detail
RUSLE multipliziert fünf Faktoren miteinander. Jeder beschreibt einen unabhängigen Aspekt der Erosions-Anfälligkeit. Weil multipliziert wird, schlägt jeder Faktor voll durch: verzehnfacht sich einer, verzehnfacht sich der Gesamtwert. Die Formel reagiert deshalb empfindlich auf Extremwerte.
Hellgrüner Balken zeigt typischen Wertebereich, dunkle Linie oben den Schnittwert. Weil RUSLE multiplikativ ist, schlägt jeder Faktor voll auf das Endergebnis durch. Ein einzelner Ausreißer reicht für eine kritische Erosionsrate.
- R, Niederschlags-Erosivität (MJ·mm/ha·h·a): wie viel Energie der jährliche Niederschlag auf den Boden überträgt. In Mitteleuropa typisch 50 bis 150, in Mittelmeerregionen 200 bis 600.
- K, Boden-Erodibilität (t·h/MJ·mm): wie leicht das Wasser den Boden abträgt. Sande und Tone sind robust (K ≈ 0,02 bis 0,15), Schluffböden besonders erosions-anfällig (K ≈ 0,3 bis 0,5).
- LS, Hangneigung mal Hanglänge (dimensionslos): ein langer, steiler Hang sammelt mehr Abfluss-Wasser auf engerem Raum. LS = 0,1 für ebenes Land, LS > 5 für Steilhänge.
- C, Bodenbedeckung (dimensionslos, 0 bis 1): wie viel Vegetation den Boden schützt. 0 = dauerhaft begrünt, 1 = komplett kahl. Wald 0,001, Dauergrünland 0,01, Mulchsaat 0,1, Hackfrucht ohne Bedeckung 0,7.
- P, Schutzmaßnahmen (dimensionslos, 0 bis 1): wie der Mensch erosionssicher bewirtschaftet. 0,1 für Konturpflug auf Terrassen, 1 für Hangabwärts-Pflug. Liegen keine konkreten Schutzmaßnahmen vor, wird P = 1 gesetzt.
2 · R-Faktor in Deutschland
Der präziseste verfügbare R-Faktor-Datensatz für Europa ist ESDAC Panagos 2015, ein 1-km-Raster, das aus über 1.500 Niederschlags-Stationen interpoliert wurde. Wir haben es seit Mai 2026 vom Joint Research Centre der EU-Kommission auf unserem VPS liegen.
Für Adressen, an denen das Raster keinen Wert liefert, schalten wir auf eine vereinfachte lat-lineare Approximation um, in Deutschland zum Beispiel R = 80 + (51 − lat) · 5. Heißt: höhere Werte im Voralpenland, niedrigere in Norddeutschland. Die Approximation liegt typisch 20 bis 30 % daneben. Welches Verfahren wir verwendet haben, steht im Bericht jeweils dabei.
3 · Wie LUCAS und SoilGrids in K einfließen
Der K-Faktor (Boden-Erodibilität) lässt sich aus drei Bodeneigenschaften berechnen: Korngrößenverteilung (also Sand-, Schluff-, Ton-Anteil), organischer Kohlenstoffgehalt (SOC, ein Maß für Humus) und Bodenstruktur.
Wir lesen die ersten beiden Größen für die Adresse aus SoilGrids 250m aus (einem modellierten EU-Raster). Für deutsche Adressen ergänzen wir LUCAS-Topsoil-Messwerte, wenn im 50-km-Umkreis ein Probepunkt liegt. Die Bodenstruktur setzen wir als Default auf Klasse 2 (gut aggregiert). Aus diesen Inputs rechnen wir den K-Faktor nach der Wischmeier-Formel. Typisch landen wir für deutsche Adressen zwischen 0,15 und 0,40.
4 · GLÖZ-5-Bezug
Seit der GAP-Reform 2023 ist GLÖZ 5 (Guter Landwirtschaftlicher und Ökologischer Zustand) für alle EU-Direktzahlungs-Empfänger Pflicht. Der Standard verlangt: in erosionsgefährdeten Zeiten (Spätsommer bis Frühjahr) muss eine Mindestbodenbedeckung da sein.
Anwendung läuft über Erosions-Zonen, die die Bundesländer selbst festlegen, meist auf Basis von RUSLE-Berechnungen mit Schwellen um 5 bis 10 t/ha/a. Wer eine als erosionsgefährdet ausgewiesene Fläche bewirtschaftet, muss Untersaat, Zwischenfrucht oder Mulchsaat nachweisen. Sonst werden die Direktzahlungen gekürzt.
5 · Was wir liefern
Im Bodenbericht rechnen wir für jede Adresse R, K und LS adressgenau: R aus ESDAC oder lat-linearer Approximation, K aus SoilGrids und LUCAS, LS aus dem Höhenmodell SRTM 30 m im 500-m-Radius.
Die Faktoren C und P setzen wir als Annahmen: sie hängen von der konkreten Bewirtschaftung ab und lassen sich ohne Vor-Ort-Besichtigung nicht bestimmen. Default sind C = 0,3 (mittlere Bedeckung, typisch für Wechselfruchtfolge) und P = 1 (keine spezifischen Schutzmaßnahmen). Heißt: das Ergebnis ist eine konservative Schätzung. Landwirte mit Mulchsaat oder Konturpflug erreichen real deutlich niedrigere Werte.
Verwandte Begriffe
EU-Bodenrichtlinie · GAP / Landwirte · Erosionsschutz Bauantrag