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Glossar · Naturgefahren · Versicherung

Starkregen oder Hochwasser – zwei Wege, wie Wasser ans Haus kommt.

Fluss-Hochwasser und urbaner Starkregen sind zwei verschiedene Risiken mit unterschiedlichen Ursachen, unterschiedlichen Karten und unterschiedlichen Versicherungsfolgen. Wer nur die amtliche Hochwasserkarte kennt, sieht nur die Hälfte des Bildes.

Starkregen-Quelle: KOSTRA-DWD-2020 Hochwasser-Quelle: BfG HWRM-RL Versicherung: Elementarschadenzusatz erforderlich

1 · Der Unterschied: Fluss-Hochwasser vs. Starkregen

Beide Ereignisse hinterlassen Wasser im Keller oder im Erdgeschoss. Die Ursachen, die betroffenen Flächen und die zuständigen Datensätze sind aber grundverschieden:

In der Praxis können beide Mechanismen zusammenwirken: Starkregen erhöht den Abfluss in Flüsse und beschleunigt Hochwasserwellen, während überflutete Flüsse das Kanalsystem stauen und Starkregen dann nicht mehr abfließen kann.

2 · Warum Starkregen jede Adresse treffen kann, auch fern vom Fluss

Wer im Grundstücksexposé liest, dass das Haus „nicht in einem Überschwemmungsgebiet" liegt, hat damit lediglich das fluviale Risiko ausgeschlossen. Das pluviale Risiko ist davon vollständig unberührt.

Starkregen wirkt als flächiges Ereignis: Ein konvektives Gewitter entlädt über einem begrenzten Gebiet innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen. Typische Intensitäten bei einem T10-Ereignis (statistisch einmal in zehn Jahren) liegen für 60-Minuten-Dauerstufen im Bereich von 25 bis 40 mm, je nach Region. Das übersteigt die Aufnahmekapazität der meisten städtischen Kanalisationssysteme, die üblicherweise für 2- bis 5-jährliche Ereignisse ausgelegt sind.

Besonders gefährdet sind:

Für einen Überblick über das Starkregenrisiko in einer konkreten Stadt zeigt unsere Orte-Seite zu Hochwasserrisiko München, wie beide Risiken auf Adressen-Ebene zusammenspielen können.

3 · KOSTRA-DWD-2020 – die amtliche Starkregen-Statistik erklärt

Für Starkregen ist nicht die BfG, sondern der Deutsche Wetterdienst (DWD) die amtliche Quelle. Das Produkt heißt KOSTRA-DWD-2020 und steht für „Koordinierte Starkregenregionalisierung und -auswertung des DWD".

KOSTRA liefert für jeden Punkt in Deutschland statistische Niederschlagshöhen in zwei Dimensionen:

Ein Beispielwert: Für eine mittlere deutsche Großstadt kann das T100-Ereignis in der 60-Minuten-Dauerstufe über 50 mm Niederschlag bedeuten. Das entspricht einem Monatsniederschlag, der in einer Stunde fällt. Die genauen Rasterwerte variieren stark nach Region: Süddeutschland und die Mittelgebirgslagen erzielen deutlich höhere Intensitäten als Norddeutschland.

Unsere Standortauskunft wertet KOSTRA-DWD-2020 adressgenau aus und zeigt die Wiederkehrzeiten für T10 und T100 sowohl für die 60-Minuten- als auch die 24-Stunden-Dauerstufe.

4 · Bodendurchlässigkeit und Versiegelung als zweiter Faktor

Niederschlag, der auf offenen, durchlässigen Boden trifft, versickert weitgehend und erreicht die Kanalisation mit Verzögerung. Je stärker die Versiegelung im Einzugsgebiet, desto schneller und vollständiger wird Niederschlag in Oberflächenabfluss umgewandelt.

Zwei Bodeneigenschaften bestimmen, wie viel Niederschlag der Boden aufnehmen kann:

Für Käufer bedeutet das: Ein Haus in einem stark versiegelten Stadtviertel hat bei Starkregen eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit für Kellerüberflutung als ein Haus mit gleichem KOSTRA-Wert, aber viel Grünfläche im Einzugsgebiet. Der KOSTRA-Rasterwert allein erklärt die Exposition, sagt aber nichts über die Vulnerabilität des konkreten Grundstücks.

5 · Versicherung: Elementarschaden-Lücke, warum Käufer das vor dem Notar klären sollten

Eine klassische Wohngebäudeversicherung deckt Schäden durch Leitungswasser, Sturm und Hagel. Überflutung durch Starkregen oder Hochwasser ist nicht enthalten – dafür ist ein separater Elementarschadenzusatz notwendig.

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatten Ende 2024 rund 57 % der deutschen Wohngebäude einen Elementarschadenschutz – das bedeutet, dass knapp die Hälfte aller Häuser unversichert gegen Überflutung durch Starkregen oder Hochwasser ist.

Warum Käufer das vor dem Notartermin klären sollten:

Das Risikoprofil einer Adresse für Hochwasser in einer konkreten Stadt wie Hochwasserrisiko Köln zeigt, wie Fluss-Hochwasser und Starkregen gemeinsam bewertet werden können.

6 · Was Käufer prüfen können

Für eine vollständige Einschätzung des Wasserrisikos an einer Adresse sind mindestens drei Quellen relevant:

Quellen

Verlinkungen geprüft am 18.06.2026.

Verwandte Begriffe

Hochwasser-Risikoklassen (HQ häufig, HQ 100, HQ extrem) · Hochwasserrisiko Köln · Hochwasserrisiko München · Käufer-Auskunft

Starkregen und Hochwasser sind zwei verschiedene Risiken – und amtliche Hochwasserkarten zeigen nur eines davon.

Häufige Fragen

Was Käufer und Eigentümer am häufigsten fragen.

Ist Starkregen über die Wohngebäudeversicherung versichert?
Nicht automatisch. Die klassische Wohngebäudeversicherung deckt Leitungswasser und Sturm/Hagel, aber keine Überflutung durch Starkregen. Dafür ist ein Elementarschadenzusatz notwendig, der separat abgeschlossen werden muss. Viele Eigentümer haben diesen Zusatz nicht, weil sie glauben, weit genug vom nächsten Fluss entfernt zu wohnen. Starkregen trifft aber jede Adresse, unabhängig von der Fluss-Nähe.
Zeigt die amtliche Hochwasserkarte auch Starkregenrisiken?
Nein. Die amtlichen Hochwassergefahrenkarten der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) zeigen ausschließlich Überflutungsgebiete durch übergetretene Fließgewässer (fluviales Hochwasser) in drei Szenarien (HQ häufig, HQ 100, HQ extrem). Starkregen-induzierte Überflutungen auf versiegelten Flächen sind darin nicht erfasst. Für Starkregen-Statistiken ist KOSTRA-DWD-2020 die amtliche Quelle.
Kann Starkregen auch am Hang oder weit vom Fluss gefährlich werden?
Ja. Starkregen ist ein flächiges Ereignis, das unabhängig von der Entfernung zu einem Fließgewässer wirkt. Hänge beschleunigen den Oberflächenabfluss in Richtung Talboden, wo Tiefgaragen, Untergeschosse und Straßenunterführungen als natürliche Sammelbecken wirken. Versiegelte Flächen im Einzugsgebiet verstärken den Effekt: Je dichter bebaut, desto weniger Niederschlag versickert, desto mehr läuft oberflächlich ab.
Vor dem Notartermin

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