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Atlas · Bergbauregionen · Kaufrisiko

Bergbaugebiete in Deutschland – wo der Untergrund Geschichte hat.

Deutschland hat eines der dichtesten Bergbaugeschichten Europas. Steinkohle, Braunkohle, Kali und Erz hinterließen Reviere, die heute als Wohngebiete genutzt werden – mit Untergrundrisiken, die je nach Abbautyp und Region sehr unterschiedlich ausfallen. Dieser Atlas zeigt, welche Gegenden betroffen sind, was das für Käufer bedeutet und wie man adressgenau prüft. Die Mechanismen hinter den Risiken erklärt der Artikel Bergbau und Bodenbewegung.

Regionen: Ruhr · Saar · Lausitz · Werra · Erzgebirge Datenstand: 2020 – 2024 Quellen: Bezirksregierung Arnsberg · LGB-RLP · EGMS

1 · Vier Bergbau-Typen, vier Risiko-Profile

Nicht jeder Bergbau hinterlässt dasselbe Risiko. Die vier in Deutschland dominierenden Abbautypen unterscheiden sich in ihrem Gefahrenprofil grundlegend:

Die genauen physikalischen Mechanismen – Gebirgskonvergenz, Nachbruch und Sümpfungsfolge – sind im Artikel Bergbau und Bodenbewegung ausführlich erklärt. Dieser Atlas konzentriert sich auf das Wo.

2 · Ruhrgebiet: dichtestes Steinkohlenetz Deutschlands

Das Ruhrgebiet ist das flächenmäßig größte und am dichtesten erschlossene Steinkohle-Revier Deutschlands. Vom Südrand (Bochum, Dortmund) bis zum nördlichen Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bottrop) erstreckte sich ein Netz von Schächten, Flözen und Strecken, das seit dem 19. Jahrhundert bis zum letzten Fördertag im Dezember 2018 (Zeche Prosper-Haniel, Bottrop) betrieben wurde.

Das Risikoprofil variiert stark nach Lage:

Die Bezirksregierung Arnsberg führt die amtliche Bergbau-Berechtigungskarte für NRW und stellt Auskünfte bereit. Für Dortmund im Detail: Bodenbewegung Dortmund – Satellitendaten und Bergbaurisiko.

3 · Saarland: Steinkohle und Grubenwasser-Wiederanstieg

Das Saarland hat eine der ältesten Bergbaugeschichten Deutschlands – Steinkohleförderung seit dem 18. Jahrhundert, letzter Fördertag 2012 (Bergwerk Saar, Ensdorf). Die Stilllegung ist jünger als im Ruhrgebiet, was bedeutet: Restsenkungen und der Grubenwasser-Wiederanstieg sind aktuell noch deutlicher messbar.

Ein Risiko, das im Saarland über die reine Bodensenkung hinausgeht, ist der Grubenwasser-Wiederanstieg. Nach Einstellung der aktiven Wasserhaltung steigt das Wasser in den alten Grubengebäuden wieder an. Das hat zwei Effekte:

Die Raumausdehnung des Saarreviers ist kompakter als das Ruhrgebiet – betroffen ist vor allem der Raum Saarbrücken, Völklingen, Neunkirchen und Saarlouis. Das Saarland wird bergbehördlich durch das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB-RLP) mit betreut, da das Oberbergamt Saarbrücken für beide Länder zuständig ist. Für die Stadt im Detail: Bodenbewegung Saarbrücken – aktueller Satelliten-Check.

4 · Lausitz und Mitteldeutschland: Braunkohle-Tagebau und Sümpfungsfolge-Hebung

In der Lausitz und in Mitteldeutschland ist das Bild anders als bei den Steinkohle-Revieren: Hier dominiert der Braunkohle-Tagebau, der nicht unter der Erde stattfand, sondern den Boden von oben ausräumte und dabei das Grundwasser über Jahrzehnte aktiv abpumpte.

Mit der Stilllegung oder Flutung der Tagebaue (Cottbus-Nord, Geiseltal, Profen, Zwenkau) beginnt der Grundwasserspiegel wieder zu steigen. Das löst Sümpfungsfolge-Hebungen aus: Der Boden, der sich unter dem künstlich abgesenkten Grundwasserspiegel verdichtet hatte, gewinnt durch den Auftrieb an Höhe zurück – aber räumlich ungleichmäßig. Stellen mit weicherem Untergrund heben sich schneller, festerer Untergrund reagiert langsamer. Das erzeugt differenzielle Vertikalbewegungen, die für Bestandsgebäude kritisch sein können.

Wichtige Punkte für Käufer in dieser Region:

Der EGMS-Datensatz (2020–2024) zeigt aktuelle Bewegungsraten, allerdings spiegelt er nur den bereits eingetretenen Teil des Prozesses wider – die Projektion in die Zukunft erfordert hydrologische Modelle der zuständigen Landesbehörden.

5 · Werra-Kali-Revier und Erzgebirge/Harz: Laugung und Altbergbau

Das Werra-Kali-Revier in Hessen und Thüringen ist das bedeutendste Kali-Abbaugebiet Deutschlands. Die K+S AG (Hauptstandort Unterbreizbach/Bad Hersfeld-Rotenburg) betreibt dort noch aktiven Bergbau. Historisch abgebaute Bereiche tragen ein spezifisches Nachbruchrisiko: Kalisalz löst sich in Wasser. In Gebieten mit altem Kali-Bergbau wachsen Lösungshohlräume durch eindringendes Grubenwasser – ein Prozess, der nicht linear verläuft und schwer vorhersehbar ist.

Für Käufer im Werra-Revier gilt:

Das Erzgebirge (Sachsen/Thüringen) hat eine der längsten Bergbaugeschichten Deutschlands – Silber-, Kobalt-, Zinn- und Uranabbau seit dem 12. Jahrhundert. Viele Schächte, Stollen und Pingen sind nicht lückenlos dokumentiert. Das Sächsische Oberbergamt in Freiberg führt das Altbergbaukataster. Bekannte Senkungsbereiche (z. B. Schneeberg, Annaberg-Buchholz) sind teilweise überbaut. In Anrainergebieten der ehemaligen WISMUT-Sanierungsgebiete (Uranbergbau DDR-Zeitraum) kommen Altlasten hinzu.

Im Harz (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) dominiert historischer Silber- und Buntmetallbergbau (Rammelsberg, Clausthal-Zellerfeld). Die Bergbauausdehnung ist geografisch kompakter als Ruhr oder Saarland, aber das Altbergbaukataster ist lückenhaft. Das Landesamt für Geologie und Bergbau Sachsen-Anhalt (LAGB) und das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen (LBEG) sind zuständig.

6 · Was Käufer in Bergbauregionen tun können

Drei Schritte – in dieser Reihenfolge – geben ein belastbares Bild für Kaufentscheidungen in Bergbauregionen:

Aus der Kombination dieser drei Schritte entsteht eine Einschätzung, die für die Kaufentscheidung belastbar ist. Für eine bautechnische Bewertung bei anhaltend hoher Bewegungsrate bleibt eine Begutachtung durch ein Ingenieurbüro der nächste Schritt.

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Von der Ruhr bis zum Erzgebirge – Deutschlands Bergbauregionen im Überblick: regionale Risikoprofile, zuständige Bergämter und adressgenaues Screening für den Hauskauf.

Häufige Fragen

Was Käufer in Bergbauregionen am häufigsten fragen.

Welche Regionen in Deutschland sind Bergbaugebiete?
Die wichtigsten Bergbauregionen Deutschlands sind das Ruhrgebiet (Steinkohle, NRW), das Saarland (Steinkohle), die Lausitz und Mitteldeutschland (Braunkohle-Tagebau), das Werra-Kali-Revier (Hessen/Thüringen), das Erzgebirge und der Harz (Altbergbau Erz und Buntmetall). Darüber hinaus gibt es das noch aktive Rheinische Revier (Braunkohle) sowie zahlreiche kleinere Altbergbaugebiete in Sachsen, Thüringen und Bayern. Die zuständigen Bergämter führen öffentlich einsehbare Berechtigungskarten.
Ist mein Haus über einem alten Abbaufeld?
Das lässt sich mit zwei Quellen klären: Erstens zeigt die amtliche Bergbau-Berechtigungskarte des zuständigen Bergamts (NRW: Bezirksregierung Arnsberg, RLP/Saarland: LGB-RLP), ob eine Berechtigung für Ihre Adresse besteht oder bestand. Zweitens liefert ein adressgenaues EGMS-Satelliten-Screening die aktuelle Bewegungsrate der Geländeoberfläche – das gibt an, ob noch messbare Senkung oder Hebung vorliegt. Der Bodenbericht kombiniert beides adressgenau.
Senkt sich der Boden nach Bergbau-Ende noch?
Ja, in vielen Fällen. Beim Steinkohle-Tiefbau (Ruhrgebiet, Saarland) dauern Restsenkungen 30 bis 50 Jahre nach Betriebsende an. Beim Kali-Bergbau (Werra-Revier) können Lösungshohlräume durch eindringendes Wasser Jahrhunderte lang wachsen. Bei Braunkohle-Tagebauten (Lausitz, Mitteldeutschland) kommt es nach Betriebsende zu Sümpfungsfolge-Hebungen, weil das Grundwasser wieder ansteigt. Aktuelle Bewegungsraten zeigt der EGMS-Satellitendatensatz (2020–2024) adressgenau.
Adress-Screening Bergbau

Liegt Ihre Adresse in einem Bergbaugebiet?

Satelliten-Zeitreihe 2020 bis 2024, Bewegungsklasse 1 bis 6, Verschnitt mit der amtlichen Bergbau-Berechtigungskarte (NRW + RLP/Saarland). PDF in wenigen Minuten.

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