1 · Die Schotterebene als Fundament
Wer verstehen will, warum München im Bodenbewegungsvergleich so ruhig abschneidet, muss in die Erdgeschichte gehen. Während der letzten Eiszeiten schufen die Alpengletscher die Münchner Schotterebene: ein viele Meter mächtiges Bett aus Kies, Schotter und Sand, das sich von den Voralpen bis weit in die Stadtgrenzen zieht. Diese Schichten sind alt, dicht gelagert und tragen Last ohne zu kriechen.
Das spiegeln die Satellitendaten direkt. Auf Basis von 22.960 EGMS-Messpunkten im 10-km-Radius um München ergibt sich eine mittlere Vertikalbewegung von −0,50 mm/Jahr (Durchschnitt) und −0,3 mm/Jahr (Median). Letzteres ist der beste Median unter den untersuchten deutschen Großstädten. Zum Vergleich: Hamburg liegt bei −1,9 mm/Jahr Median (mit 7,93 % auffälliger Zellen), Berlin bei einem moderateren Wert mit 0,86 % auffälliger Zellen. München zeigt nur 2,26 % der Messzellen mit Geschwindigkeiten ab 2 mm/Jahr.
2 · Wo die Ausnahmen liegen
Die stabilen Werte täuschen nicht – aber sie gelten für den Schotterkern. An den Rändern des Stadtgebiets und jenseits der Stadtgrenzen wechselt der Untergrund. Drei Bereiche verdienen beim Hauskauf besondere Aufmerksamkeit:
- Dachauer Moos (Nordwesten): Niedermoortorfe überlagern den Schotter, organische Lagen reagieren auf Grundwasserschwankungen und saisonale Belastung. Adressen westlich der Feldmoching-Linie sollten genauer betrachtet werden.
- Erdinger Moos (Nordosten, Richtung Flughafen München): Großflächig entwässertes Niedermoor, umstrukturiert durch Flughafenbau und Entwässerungssysteme. Restliche Torflagen komprimieren langfristig weiter.
- Fröttmaninger und Langwieder Niederungen: Alte Flussauen mit Weichschichten unterhalb der jüngeren Auffüllungen. Zwischen Schleißheimer Kanal und Würm-Niederterasse wechselt die Tragfähigkeit auf kurzen Distanzen.
Ein vierter Faktor betrifft das gesamte Stadtgebiet: Das städtische Grundwasser-Management. München ist bekannt für einen hohen Grundwasserspiegel. U-Bahn-Strecken und Tiefgaragennetze werden dauerhaft entwässert, das erzeugt lokale Grundwasserabsenkungen in der unmittelbaren Umgebung. Diese Effekte sind auf einzelne Straßenzüge begrenzt, in der EGMS-Zeitreihe aber erkennbar.
3 · Was die Satellitenmessung liefert
Die europäische Copernicus EGMS-Messung erfasst Vertikalbewegungen über SAR-Interferometrie aus dem Weltraum. Für München liegen Daten von 2020 bis 2024 vor, mit einer Punktdichte von typisch 60 bis 90 Reflektoren pro 500-m-Radius in dicht bebauten Quartieren. Der Adress-Check wertet den gewichteten Median im Umfeld der eingegebenen Adresse aus und ordnet das Ergebnis einer Bewegungsklasse zu.
Im Vollbericht kommen dazu: die amtliche Geologie mit Unterscheidung Schotter/Moor/Aue, der Grundwasserstand-Layer des Münchner Grundwassermodells (soweit öffentlich verfügbar), die Hochwasserlage an Isar, Würm und Mangfall sowie KOSTRA-Starkregenstatistik.
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