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Eigene Auswertung · EGMS 2020-2024 · Deutschland

Setzungsrisse beim Hauskauf: was 10,8 Mio. Messpunkte zeigen.

Risse am Haus sind sichtbar. Ob der Boden darunter heute noch arbeitet, sieht man ihnen nicht an. Wir haben die aktiven Copernicus-EGMS-Daten für Deutschland ausgewertet: bundesweit, in einem Großstadtpanel normaler Wohnlagen und mit einem zweiten Blick auf kleinräumige Unterschiede zwischen benachbarten Messpunkten.

Stand: 2026-06-18 Daten: EGMS L3 Ortho Vertical 2020-2024 Methode: negative Vertikalrate, gelb 2-5 mm/a, rot >5 mm/a
Wichtiges Framing: Das ist eine datengetriebene Screening-Auswertung, keine bautechnische Untersuchung eines einzelnen Gebäudes. EGMS misst stabile Radar-Streuer an der Oberfläche; ein unauffälliger Satellitenpunkt schließt Gebäudeschäden nicht aus, ein auffälliger Punkt beweist keinen Schaden am Fundament.
10,8 Mio.EGMS-L3-Punkte in Deutschland, aktives Release 2020-2024
6,23 %zeigen Setzung ab 2 mm/a; davon 0,93 % im roten Bereich ab 5 mm/a
22 Städteals Kontrollpanel großer urbaner Lagen, bewusst ohne Ruhr-/Lausitz-Fallstudien

Die kurze Antwort

Messbare Setzung ist kein Randphänomen. In der deutschen EGMS-L3-Gesamtheit liegen 672.642 von 10.799.763 Punkten bei mindestens 2 mm/a negativer Vertikalbewegung. Das sind 6,23 %. Der rote Bereich ab 5 mm/a betrifft 100.738 Punkte, also 0,93 %.

Das klingt klein, ist aber für den Hauskauf relevant: In normalen Großstadtlagen ist die Verteilung nicht gleichmäßig. In unserem Kontrollpanel liegen Hamburg (7,93 %) und Karlsruhe (7,28 %) deutlich über Berlin (0,86 %), Dresden (0,55 %) oder Augsburg (0,50 %).

Setzung ab 2 mm/a in GroßstadtlagenInnenstadt-Radius, EGMS L3 Ortho Vertical, Release 2020-2024
Hamburg
7,93 %
Setzung 2–5 mm/a ab 5 mm/a (rot) 2 % 4 % 6 % 8 % Bundesschnitt 6,23 % Hamburg 7,93 Karlsruhe 7,28 Münster 3,50 Erfurt 3,42 Bremen 3,29 Mannheim 3,21 Frankfurt am Main 3,12 München 2,26 Kiel 1,91 Nürnberg 1,86 Wiesbaden 1,62 Stuttgart 1,51 Bonn 1,10 Mainz 0,99 Köln 0,96 Düsseldorf 0,91 Berlin 0,86 Freiburg 0,80 Leipzig 0,75 Hannover 0,71 Dresden 0,55 Augsburg 0,50 Anteil der Messpunkte mit Setzung ab 2 mm/a · EGMS L3 2020–2024 · Großstadt-Fenster (Radius um Zentrum), kein Stadtgrenzen-Schnitt
Gelb bedeutet negative Vertikalrate von 2 bis 5 mm/a, rot mehr als 5 mm/a. Die Stadtfenster sind bewusst als Radius um die Innenstadt definiert, nicht als amtliche Stadtgrenzen.

Warum dieser Artikel anders ist als die Bergbau-Auswertung

Unsere frühere Bergbau-Analyse war absichtlich auf Regionen mit historischer oder aktiver Rohstoffförderung zugeschnitten. Genau dort sind extreme Bodenbewegungen erwartbar. Für die Käuferfrage ist aber eine andere Perspektive hilfreicher: Was sieht man in normalen urbanen Lagen, wo niemand beim Besichtigungstermin zuerst an Bergbau denkt?

Deshalb enthält das Stadtpanel keine Ruhrgebiets-Fallstudien wie Essen, Bochum, Dortmund oder Bottrop und keine Lausitz-Orte wie Cottbus. Es ist kein Ranking “der gefährlichsten Städte”, sondern eine robuste Vergleichsprobe: viele Messpunkte, bebauter urbaner Kontext, gleiche Schwellenwerte.

Die Stadtwerte

Stadtfenstern PunkteSetzung 2-5Setzung >5Setzung ab 2Median mm/a
Hamburg24.3437,25 %0,68 %7,93 %-0,6
Karlsruhe6.9877,14 %0,14 %7,28 %-1,3
Münster6.7063,31 %0,19 %3,50 %-1,2
Erfurt4.9153,21 %0,20 %3,42 %-1,1
Bremen10.1993,11 %0,19 %3,29 %-0,6
Mannheim8.4693,09 %0,12 %3,21 %-1,1
Frankfurt am Main13.5122,83 %0,29 %3,12 %-0,8
München22.9602,20 %0,06 %2,26 %-0,3

Der rissrelevante Blick: nicht nur Setzung, sondern Unterschied

Für Mauerwerk zählt nicht nur, ob ein Quartier insgesamt langsam absinkt. Kritischer ist die differenzielle Bewegung: Ein Messpunkt sinkt, ein benachbarter bleibt stabil oder bewegt sich anders. Genau diese Spannweite ist näher an der Frage, warum Risse an Fenster- und Türöffnungen entstehen können.

Dafür haben wir die Stadtpunkte in 250-m-Zellen aggregiert. Eine Zelle zählt als auffällig, wenn mindestens drei Punkte vorhanden sind, die Spanne der Vertikalraten mindestens 3 mm/a beträgt und mindestens ein Punkt Setzung ab 2 mm/a zeigt. Das ist bewusst ein Screening-Indikator: nah genug für Nachbarschaft, aber nicht so kleinteilig, dass einzelne Streuer die Analyse dominieren.

Divergenz in 250-m-ZellenRate-Spanne zwischen benachbarten EGMS-Punkten, nur Zellen mit mindestens 3 Punkten
Hamburg
181 Zellen
Anteil 250-m-Zellen mit Rate-Spanne ab 3 mm/a + Setzungspunkt — Hamburg betont 1 % 2 % 3 % 4 % Hamburg 4,45 Wiesbaden 2,03 Erfurt 1,94 Kiel 1,91 Bonn 1,73 Bremen 1,63 Karlsruhe 1,53 Frankfurt am Main 1,50 Stuttgart 1,36 Münster 1,35 Nürnberg 1,28 Mainz 1,15 Köln 1,08 Freiburg 0,98 Düsseldorf 0,93 München 0,87 Leipzig 0,85 Augsburg 0,81 Berlin 0,66 Hannover 0,62 Dresden 0,56 Mannheim 0,49 Anteil auffälliger 250-m-Zellen (≥3 Punkte, Spanne ≥3 mm/a, ≥1 Setzungspunkt) · EGMS L3 2020–2024
Hamburg hat im Panel den höchsten Anteil auffälliger Divergenz-Zellen: 181 von 4.070 Zellen mit mindestens drei Punkten, also 4,45 %. Bei Spannen ab 5 mm/a sind es 57 Zellen.

Was dahinterstehen kann

EGMS sagt nicht automatisch, warum sich ein Punkt bewegt. Die plausible Mechanik hängt von Lage und Untergrund ab: organische Weichschichten, Hafen- und Marschflächen, Grundwasseränderungen, lokale Auffüllungen oder quell- und schrumpffähige Böden. Das LGRB beschreibt für tonige Böden den Volumenwechsel mit Wassergehalt: Austrocknung führt zu Schrumpfung, Wiederbefeuchtung zu Quellen. Das ist für saisonale Bewegungen und Rissbilder besonders relevant.

Versiegelung ist dabei doppelt wichtig: Erstens sind EGMS-Punkte im urbanen Raum oft gerade deshalb messbar, weil Dächer, Straßen und andere harte Oberflächen stabile Radar-Streuer liefern. Zweitens verändert Versiegelung die Wasserbilanz. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass versiegelter Boden Regenwasser nur erschwert versickern lässt.

Methodik in fünf Sätzen

Wir nutzen `egms_points`, Release 2020-2024, Land `DE`. Setzung ist hier eine negative Vertikalrate: gelb von -2 bis -5 mm/a, rot unter -5 mm/a. Das Stadtpanel nutzt Radien um die Innenstadt, um bebaute urbane Lagen zu treffen und ländliche Randflächen zu reduzieren. Für differenzielle Bewegung werden die Punkte in 250 m-Zellen im EPSG:25832-Raster zusammengefasst. Die vollständigen SQLs und CSVs liegen intern unter docs/pr/methodik/egms_setzung_hauskauf_*.

Die ehrlichen Grenzen

Erstens: EGMS misst nicht das Fundament, sondern Radar-Streuer an der Oberfläche. Zweitens: ein Stadt-Radius ersetzt keine amtliche Stadtgrenze und keinen Grundstückszuschnitt. Drittens: die Punktdichte ist in bebauten Lagen besser als in Vegetation, Wasserflächen oder stark veränderten Oberflächen. Viertens: die L2b-Zeitreihen sind für Einzelfalltiefe wertvoll, wurden für diesen Artikel aber nicht deutschlandweit neu ausgewertet, weil die Blogfrage mit L3 reproduzierbarer und schneller beantwortet wird.

Die korrekte Nutzung ist deshalb: als Frühwarn- und Vergleichsebene vor dem Kauf. Wenn ein Haus Risse zeigt und die Umgebung zugleich gelbe oder rote EGMS-Setzung oder lokale Divergenzen aufweist, ist das ein starker Grund für vertiefte Prüfung der Bauakte, früherer Sanierungen und des Baugrunds.

Was Käufer daraus mitnehmen sollten

Ein Riss ist kein Datenpunkt. Aber ein Riss plus aktive Setzung in der Umgebung ist ein anderes Signal als ein alter Haarriss in stabiler Lage. Genau hier liegt der Wert des Screenings: Es sortiert die Besichtigung nicht nach Bauchgefühl, sondern nach messbarer Bewegung der letzten Jahre.

Für Hamburg und Karlsruhe heißt das nicht, dass “jedes Haus problematisch” wäre. Es heißt: In den untersuchten Stadtfenstern ist der Anteil messbarer Setzung hoch genug, dass man Bodenbewegung bei Rissbildern nicht als exotische Erklärung abtun sollte. Für Berlin, Dresden oder Augsburg ist das Grundsignal niedriger, aber auch dort gibt es einzelne Divergenz-Zellen.

Datenquelle: Copernicus EGMS L3 Ortho Vertical 2020-2024. Generated using Copernicus EGMS information.

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